Traditionell steht der September für Fachleute der europäischen Freizeitparkbranche ganz im Zeichen der IAAPA Expo Europe. Im Jahr 2025 war vom 22. bis 26. September die Stadt Barcelona an der Reihe – im Fira Barcelona Gran Via. Neben der Messefläche und zahlreichen Fachsessions vor Ort unternahmen wir in diesem Jahr unter anderem Ausflüge nach PortAventura World und in den Parc d’Atraccions Tibidabo. Bei den Vorträgen, auf der Messe selbst und während der Exkursionen konnten wir wieder viele spannende Eindrücke und Erkenntnisse sammeln, die wir gerne mit dir teilen.
Hier findest du daher 10× Trends und Insights von der IAAPA Expo Europe 2025
1. Digitale Immersion und Personalisierung
In der Freizeitparkbranche wird zunehmend in Technologien wie Mixed Reality (MR) und Virtual Reality (VR), aber auch in Augmented Reality (AR) und Künstliche Intelligenz (KI) investiert. So konnten wir bereits in vielen Parks VR-Erlebnisse beobachten, doch PortAventura World setzt inzwischen auf MR. Dabei wird die physische Welt mit Hilfe transparenter Brillen um virtuelle Elemente erweitert.
Das erhöht die Kapazität (mehr Besucher pro Stunde als bei klassischer VR), verhindert Motion Sickness und erhält den sozialen Aspekt eines gemeinsamen Rides. Während der EDUTour am 22. September durften wir ihre MR-Erlebnisse erleben – darunter El Diablo Neo, eine Achterbahnfahrt, und Hysteria in Boothill, ein dauerhaftes Spukhaus.
Während VR möglicherweise die Verbindung zum Ort verliert, an dem man sich gerade befindet, sorgt MR dafür, dass du besser eingebunden bleibst. Und nicht nur in Freizeitparks sehen wir einen MR-Trend: Auch auf der Messefläche waren zahlreiche MR-Games vertreten.
Die Zukunftsvision von PortAventura zu diesem Thema ist, dass Besucher künftig zwischen einem klassischen Parkerlebnis oder einer digital angereicherten Version wählen können. Denkbar sind personalisierte Augmented-Reality-Ebenen, die über den physischen Park gelegt werden. Mit Hilfe von KI könnten sich Attraktionen künftig in Echtzeit an die Emotionen oder Vorlieben der Besucher anpassen – was zu einer Hyperpersonalisierung führt. Für die Generation Z und Generation Alpha, die Erlebnisse materiellen Dingen vorziehen und alles
2. Premiumisierung und exklusive Erlebnisse
Freizeitparks reagieren auf unterschiedliche Budgets, indem sie luxuriöse und exklusive Erlebnisse für Gäste anbieten, die bereit sind, mehr auszugeben.
Dazu zählen zum Beispiel Michelin-Sterne-Restaurants in Freizeitparks, Fünf-Sterne-Hotels, exklusive Suiten, authentische F&B-Konzepte, die thematisch zum Park passen, und VIP-Arrangements. Solche Premium-Angebote bieten Besuchern zusätzlichen Komfort und Status – und bringen den Parks hohe Margen. Diese Entwicklung ist besonders relevant, da die wohlhabendsten 10 % der Besucher für einen unverhältnismäßig großen Teil der Ausgaben verantwortlich sind – etwa 50 % des Umsatzes.
3. Fusion-Attraktionen
Ein weiterer auffälliger Trend ist das Entstehen sogenannter Fusion-Attraktionen, bei denen verschiedenste Arten von Unterhaltung zu einem einzigen Erlebnis kombiniert werden. Dabei verschwimmen die Grenzen traditioneller Kategorien: So werden zum Beispiel historische Schlösser in interaktive Erlebniswelten verwandelt oder ein Wasserpark wird durch spektakuläre Lichtshows ergänzt.
Auch Kombinationen wie Sportaktivitäten in Verbindung mit Attraktionstechnologie treten zunehmend auf. Diese Mischformen bieten Besucher*innen ein einzigartiges, vielseitiges Erlebnis – und sprechen dadurch ein breiteres Publikum an.
4. Aufstieg kleinerer, kürzerer Tagesattraktionen
Nicht jeder möchte oder kann noch einen ganzen Tag in einem großen Freizeitpark verbringen – deshalb gewinnen kürzere Freizeitangebote zunehmend an Bedeutung. Es gibt einen Anstieg bei kompakten Attraktionen und Orten, an denen Besucher 2 bis 3 Stunden unterhalten werden, wie kleinere Museen oder Indoor-Spiel- und Erlebniszentren.
Diese kleinskaligen Angebote erfordern weniger Planung und haben oft eine niedrigere Preisschwelle, wodurch sie dem Bedürfnis nach einem spontanen, zugänglichen Ausflug in der Nähe gerecht werden. So stellen sie eine attraktive Alternative zu klassischen Tagesausflügen dar – besonders in Zeiten voller Terminkalender und wirtschaftlicher Unsicherheit.
5. Shopping als Tagesausflug
Im Zuge des oben genannten Trends sehen wir, dass sich auch Einzelhandelsstandorte zunehmend als Freizeitdestinationen positionieren. Große Gartencenter (besonders zur Weihnachtszeit) und Möbelhäuser wie IKEA ziehen mittlerweile Besucher an, die daraus einen Tagesausflug machen – als Alternative zu klassischen Attraktionen wie Zoos und Freizeitparks. Dieses Konzept gewinnt an Beliebtheit, weil es niedrigschwellig ist (kostenloser Eintritt, Besucher entscheiden selbst über ihre Ausgaben) und keine aufwändige Planung erfordert.
Zudem bieten solche Orte umfassende Infrastruktur – von Restaurants bis hin zu Kinderunterhaltung – und ermöglichen so Familien und Tagesgästen ein rundum gelungenes Erlebnis. Darüber hinaus integrieren auch Shopping Malls zunehmend Freizeitangebote wie Spielhallen, VR-Zentren oder andere Entertainment-Konzepte.
Für die Freizeitparkbranche bedeutet das: Die Konkurrenz kommt nicht nur von anderen Parks, sondern auch aus unerwarteten Richtungen. Das zeigt, wie wichtig es ist, ein einzigartiges Erlebnis zu schaffen – eines, das über ein klassisches „Tagesausflugsziel“ hinausgeht. Auffällig: Auch auf der Messefläche lag verstärkt der Fokus auf dem Thema Weihnachten – interessant nicht nur für Gartencenter, sondern auch für Parks mit Winter-Events.
6. Bauernhof- und Kulturerbe-Attraktionen
Attraktionen auf oder in der Nähe von Bauernhöfen und Kulturerbestätten gewinnen zunehmend an Beliebtheit – unter anderem durch die gestiegene Wertschätzung für das Landleben und Slow Tourism nach der COVID-Zeit. Diese Ziele verbinden Bildung, Natur und Entspannung: von Kinderbauernhöfen mit Spielplätzen bis hin zu historischen Gutshöfen mit Vorführungen alter Handwerkskunst.
Besucher suchen nach Tiefe und Authentizität – erkennbar an der wachsenden Beliebtheit von „Slow Visits“ von 36 Stunden oder mehr, bei denen man sich bewusst Zeit nimmt, um in die Umgebung einzutauchen. Viele Bauernhof-Erlebnisparks erweitern ihr Angebot um vielfältige Aktivitäten wie saisonale Events, kleine Attraktionen und Unterkünfte. Dadurch kehren Familien regelmäßig zurück – und es werden mehrere Generationen gleichzeitig angesprochen. Der Bildungsaspekt, etwa das Lernen über Tierschutz oder Lebensmittelproduktion, wird bei dieser Art von Ausflügen ebenfalls als besonders wertvoll empfunden.
7. Naturschutz und Verbindung in Zoos
Zoos und Aquarien legen heutzutage zunehmend Wert auf Naturschutz und den Aufbau langfristiger Beziehungen zu ihren Besucher. So investieren sie in besondere Erlebnisse – etwa luxuriöse Übernachtungen zwischen den Tieren – oder bieten Abonnent exklusive Vorteile und Aktivitäten.
Dabei ist es entscheidend, ein Gleichgewicht zu finden zwischen edutainment (unterhaltsamer Bildung) und dem Fokus auf Natur- und Artenschutz. Wenn eines dieser Elemente zu stark dominiert, kann das die gesamte Besuchserfahrung negativ beeinflussen.
8. Essen & Trinken als Teil des Erlebnisses
In Tagesattraktionen wird Gastronomie immer häufiger als vollwertiger Bestandteil des Gesamterlebnisses betrachtet. Freizeitparks und Museen heben ihr Food-&-Beverage-Angebot auf ein neues Niveau – mit Michelin-Sterne-Restaurants und einzigartigen Food-Konzepten, die zur Region, zur Attraktion oder zum Themenbereich passen.
Besonderes Essen und Trinken trägt so zur immersiven Erfahrung bei. Zudem werden Gerichte zunehmend bewusst „instagrammable“ präsentiert – damit Besucher ihren Ausflug gerne in den sozialen Medien teilen und das Erlebnis auch im Nachhinein nachwirken kann. Auffällig ist außerdem der Trend zum Eatertainment, bei dem Mahlzeiten selbst Teil des Gesamterlebnisses werden.
9. Social Entertainment und gemeinsames Erleben
Auf der Messefläche fiel das große Angebot an Attraktionen auf, die gemeinsames Vergnügen in lockerer Atmosphäre in den Mittelpunkt stellen – etwa Dartscheiben, Bowlingbahnen, Minigolf, Lasertag oder interaktive Quizboxen. Diese sogenannten Social-Entertainment-Venues sind niedrigschwellig und vor allem auf Gemeinschaft, Wettbewerb und Gruppenspaß ausgerichtet.
Sie greifen das wachsende Bedürfnis nach sozialen Begegnungen auf und sind attraktiv für Freundesgruppen, Familien – aber auch für Unternehmen, die Gruppenevents organisieren. Dieser Trend steht in engem Zusammenhang mit Trend #4: Viele Besucher ziehen einen Bowling- oder Dartabend mit Freunden einem ganzen Tag im Freizeitpark vor – denn es ist kürzer und flexibler.
10. Aufstieg von Indoor-Attraktionen durch Extremwetter
Extremes Wetter – darunter Hitzewellen und starke Regenfälle – hat zunehmend Einfluss auf die Tagesattraktionen-Branche. Das fördert den Aufstieg von Indoor-Attraktionen und klimaresistenten Konzepten, die Besucher Komfort und Verlässlichkeit bieten – unabhängig von den Wetterbedingungen.
Der populäre Begriff Coolcation (Urlaub in kühleren Regionen wie Skandinavien statt am Mittelmeer) unterstreicht die wachsende Nachfrage nach Reisezielen und Attraktionen, die auch bei steigenden Temperaturen angenehm bleiben. Damit wird Klimaanpassung zu einem entscheidenden Trend für die kommenden Jahre.
Und außerdem …
Die IAAPA Expo Europe 2025 in Barcelona hat deutlich gezeigt, dass die Freizeitbranche stark im Wandel ist. Neben den bereits genannten Trends wird die Branche auch zunehmend von der weltpolitischen Lage beeinflusst. So zeigen sich Konsumenten derzeit eher abwartend, und Zölle sowie Handelsbarrieren bremsen Investitionen. Als Reaktion darauf beobachten wir einerseits eine stärkere Lokalisierung, andererseits aber auch eine klare Haltung vieler Unternehmen, den Fortschritt voranzutreiben, statt sich – wie zu COVID-Zeiten – zurückzuziehen. Spannend ist außerdem das zunehmende Interesse von Investoren an der Freizeitbranche und der Wunsch, neue Märkte zu erschließen. Beispiele dafür sind unter anderem Universal im Vereinigten Königreich oder Disney in Abu Dhabi.
Weitere spannende Beobachtungen waren:
– Saisonverlängerung und Lichterfeste helfen, schwache Zeiträume mit zusätzlichem Besuch zu füllen.
– Preisstrategien werden flexibler: Preissteigerungen von etwa 15–20 % sind realistisch. Gleichzeitig führt schlechtes Wetter häufiger zu Rabatten. Kleinere Attraktionen profitieren stärker von Spontankäufen, während große Parks vor allem auf Online-Verkäufe setzen.
– 2025 ist ein Jubiläumsjahr für viele Parks. Die gezielte Ansprache von Emotionen und Nostalgie erweist sich als besonders wirkungsvoll, um im Jubiläumsjahr mehr Besucher anzuziehen.
– Beyond-the-Gates-Strategien gewinnen an Bedeutung. Dazu zählen Übernachtungsangebote, aber auch der Ausbau der digitalen Präsenz – etwa durch eine starke Website und aktive Social-Media-Kanäle.
– Mitarbeitererlebnis wird in der Freizeitbranche immer wichtiger. Gamification-Ansätze oder Belohnungen wie exklusive Merchandise-Produkte steigern Motivation und Arbeitsfreude.
– Die digitale Welt und Künstliche Intelligenz werden zunehmend in Freizeitattraktionen integriert. Beispiele sind smarte Warteschlangen, Mobile-Apps, digitale Tickets, Besucherflussanalyse und -prognose, Datenauswertung zu Gästepräferenzen und Prozessoptimierung.
– Nachhaltigkeit und Inklusion bleiben zentrale Themen für die Freizeitbranche.
Wir sind gespannt, wie sich all das weiterentwickelt. Sehen wir dich nächstes Jahr auf der IAAPA Expo Europe 2026 in London?
Bei Red Online Marketing sind wir auf Online-Marketing für die Tagesattraktionen-Branche spezialisiert.
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