Influencer-Marketing ist heute nicht mehr der Wilde Westen von vor ein paar Jahren. Während Marken früher vor allem auf Reichweite und glänzende Bilder achteten, geht es heute um den Beweis: Was bringt eine Zusammenarbeit wirklich?
Authentizität, Messbarkeit und langfristige Beziehungen stehen im Mittelpunkt. Und gerade in Branchen wie Travel und Leisure, wo Inspiration oft der Startpunkt der Customer Journey ist, macht das einen echten Unterschied.
1. Von Reichweite zu Relevanz
Die Zeiten, in denen ein großer Influencer mit Hunderttausenden Followern als der „heilige Gral“ galt, sind vorbei. Immer häufiger entscheiden sich Marken für kleinere Creator mit einer Nischen-Zielgruppe.
Zum Beispiel: ein Wanderer, der versteckte Routen entdeckt, ein Foodie, der kulinarische Städtetrips zeigt, oder ein junger Elternteil, der verschiedene Ausflüge mit Kindern testet.
Gerade diese spezifische, wiedererkennbare Perspektive schafft Vertrauen und Engagement. Für Reiseveranstalter oder Freizeitparks bedeutet das: Lieber zehn begeisterte Micro-Creator, die jeweils ihre eigene Zielgruppe erreichen, als ein großer Account, der nur flüchtige Aufmerksamkeit erzeugt.
2. Beziehungen aufbauen statt einzelner Kampagnen
Einzelne Posts oder kurze Kooperationen fühlen sich immer mehr wie eine verpasste Chance an. Marken investieren lieber in langfristige Beziehungen zu Creatorn, die wirklich zu ihnen passen.
Für die Reisebranche kann das bedeuten, dass eine Influencerin über mehrere Saisons hinweg zu einem Reiseziel zurückkehrt – oder dass ein Ferienpark eine Familie über ein ganzes Jahr hinweg bei verschiedenen Ausflügen begleitet. Man kann es als Markenbotschafter betrachten. So baust du nicht nur Markenbekanntheit auf, sondern auch Glaubwürdigkeit: Die Follower sehen, dass die Zusammenarbeit echt ist – und nicht nur eine von vielen beliebigen Werbeanzeigen.
3. Die Dominanz von Short-Form-Content
Auf TikTok, Instagram Reels und YouTube Shorts tobt der Kampf um Aufmerksamkeit unvermindert weiter. Reisende nutzen diese Plattformen zunehmend als Suchmaschine: „Things to do in Valencia“, „beste Attraktionen für Kinder in Brabant“.
Das erfordert „snackable“ Content – also Inhalte, die schnell inspirieren und leicht gespeichert werden können. Eine Serie kurzer Videos, in denen eine Influencerin „drei versteckte Strände“ oder „48 Stunden in einer Stadt“ zeigt, kann sofort als digitaler Reiseführer dienen. Für Unternehmen in der Freizeitbranche ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, mit kurzen, frischen Formaten präsent zu sein, die direkt zum Buchen einladen.
4. Social Media als Reisebüro
Das führt uns zu einer bemerkenswerten Entwicklung: Social Media wird immer mehr zum neuen Reisebüro. Konsumenten scrollen nicht mehr nur zur Inspiration – sie treffen ihre Entscheidungen direkt innerhalb der Apps. Hashtags und Empfehlungslisten ersetzen in manchen Fällen sogar den Gang zu Google.
Für ein Museum, ein Wellnessresort oder einen Ferienpark bedeutet das: Ein inspirierender Post sorgt nicht nur für Sichtbarkeit, sondern kann direkt zu einer Buchung führen.
5. Influencer-made Brands: vom Empfehlenden zur Unternehmern
Einer der auffälligsten Trends ist, dass Influencer nicht nur mit Marken kooperieren, sondern selbst Marken aufbauen.
Man denke an Modelinien, Hautpflegeprodukte oder sogar Reiseaccessoires, die vollständig aus der Community eines Creators heraus entstanden sind. Die Stärke liegt in der Vertrauensbeziehung: Follower fühlen sich in die Entwicklung eingebunden und sehen die Marke als eine Erweiterung der Influencer-Persönlichkeit.
Für die Reise- und Freizeitbranche kann das bedeuten, dass Influencer eigene Kollektionen oder Erlebnisse entwickeln – von nachhaltigen Koffern bis hin zu speziellen Städtereisen oder Arrangements. Für Organisationen der Branche ist es spannend, zu prüfen, ob eine Zusammenarbeit nicht nur in Form von Content möglich ist, sondern auch als Co-Creation von Produkten oder Dienstleistungen. Etwas, das sich perfekt mit einer Markenbotschafter-Rolle verbinden lässt – wie zuvor bereits beschrieben.
6. Gesetzgebung: ständig im Wandel
Parallel zum Wachstum des Influencer-Marketings befindet sich auch der rechtliche Rahmen im Wandel. Während die Regeln vor ein paar Jahren noch unklar waren, beobachten wir nun, dass sowohl europäische Institutionen als auch nationale Aufsichtsbehörden zunehmend streng auf Transparenz und Fairness achten.
Die Pflicht, Kooperationen klar zu kennzeichnen (#ad, #Werbung), ist mittlerweile Standard – doch die Details ändern sich ständig. Neue Richtlinien aus der EU, strengere Durchsetzung durch Behörden und sogar spezielle Regeln für große Video-Creator zeigen, dass es sich um ein dynamisches Spielfeld handelt.
Für die Reise- und Freizeitbranche bedeutet das: stets up to date bleiben und Kooperationen mit Influencern vertraglich sauber regeln. Stelle sicher, dass Influencer verstehen, was erforderlich ist, und biete selbst klare Richtlinien an. Transparenz ist nicht nur eine rechtliche Pflicht, sondern auch eine Möglichkeit, Vertrauen bei Reisenden zu erhalten, die sich gerade informieren.
Fazit
Influencer-Marketing dreht sich heute um mehr als nur Reichweite.
Es geht darum, die richtigen Creator auszuwählen, auf langfristige Partnerschaften zu setzen und Formate zu nutzen, die zum heutigen Reiseverhalten der Konsumenten passen.
Für die Reise- und Freizeitbranche liegt der Schlüssel in der cleveren Verbindung von Inspiration und Beweis: Geschichten, die Menschen emotional erreichen – und Entscheidungen, die messbar zu Besuch, Buchung oder Reservierung führen.


